Ich spiele seit 50 Jahren Gitarre, angefangen auf klassischen Konzertgitarren mit Nylonsaiten, über verschiedene Varianten von Westerngitarren bis hin zu allen Varianten der E-Gitarre. Und das bei allen nur denkbaren Einsätzen: vom Jugendgottesdienst in der Kirche, über alle Varianten von Lagerfeuermusik bis hin zum harten Bühneneinsatz in diversen Bandkonstellationen und Session Einsätzen.
Seit mittlerweile 2 Jahren habe ich meine Liebe zu Headless Gitarren entdeckt, anfangs noch im Eigenbau bin ich seit ein paar Monaten Besitzer einer Strandberg Salem Jazz.
Die Gitarre überzeugt durch ihr tolles Design und ihr äußerst geringes Gewicht. Ich spiele fast ausschließlich im Stehen und ich kann mittlerweile die fast 5 Kg meiner Gibson Les Paul nicht mehr wirklich genießen. Die Strandberg ist wunderbar ausbalanciert und keinesfalls kopflastig, was den Spielkomfort nochmal deutlich erhöht. Dazu kommt noch das kleine Gepäckmaß was ich mittlerweile für unterwegs auch zu schätzen weiß.
Mit den zwei Humbuckern und dem 5‑Wege‑Switch bietet sie eine erstaunlich große Vielfalt an Soundvariationen – von warm und rund bis hin zu druckvoll und durchsetzungsstark. Ich bewege mich wirklich quer durch alle Genres und habe noch nie einen Sound nicht hinbekommen den ich mir vorgestellt hatte.
Da ich kein Tremolo brauche, ist die Bridge für mich ideal. Sehr fein justierbar in alle Richtungen und die Gitarre hält wunderbar ihre Stimmung. Winziges Manko: zum Einstellen der Saitenhöhe an der Bridge muss man die Saiten lösen damit man an die Einstellschraube kommt. Das geht an einer Strat schöner, aber das ist wirklich jammern auf allerhöchstem Niveau. Das Tuning ist (wie bei jeder Headlessgitarre) nicht ganz so komfortabel wie bei „normalen“ Gitarren, aber auch das ist ein für mich vernachlässigbarer Nachteil.
Vielleicht noch ein Wort zu den beiden auffälligsten Besonderheiten dieser Gitarre: die Fächerbünde (Fanned-Fret-Gitarre, Multiscale Gitarre) sind etwas an das ich mich nach 2 Sekunden gewöhnt habe. Ich kann auch heute problemlos zwischen der Strandberg und einer normalen Gitarre hin und herwechseln, ohne dass ich das Gefühl habe mich umstellen zu müssen. Positiver Nebeneffekt: dadurch dass jede Saite eine eigene Mensur hat, stimmt die Intonation zu 100%. Herrlich!
Das sogenannte Endure Neck. Auch das war für mich in punkto Umgewöhnung überhaupt kein Problem. Ich weiß, dass manche Gitarristen damit Schwierigkeiten haben, ich empfinde die Handstellung als sehr entspannt und natürlich.
Und noch ein toller Vorteil, den sonst kleine andere Gitarre mitbringt: im Sitzen kann man die Gitarre sehr steil halten und auf dem Bein (links oder rechts) quasi den hinteren Teil des Korpus auflegen. Man hat dann fast eine klassische Gitarrenhaltung. Speziell zum Üben von technisch anspruchsvollen Passagen ist für mich (und mein linke Hand) so eine Haltung wunderbar!
Letzter Punkt: der Preis. Ja, ich finde die Salem Jazz teuer. Vor allem wenn ich eine „Boden Essential“ mit einer „Salem Jazz“ vergleiche frage ich mich woher dieser Mehrpreis kommt. Ja ich weiß, chambered Korpus, F-Löcher, fanned frets und und und… Ich glaube das was mich an dieser Gitarre glücklich macht, hätte ich wahrscheinlich auch mit einer Boden Essential bekommen. Aber das ist reine Mutmaßung ich hatte nie eine Boden Essential.
Ich habe den Kauf jedenfalls nie bereut, sie ist qualitativ super hochwertig weshalb ich auch den Preis nie wirklich bereut habe. Stand heute ist sie für mich die Gitarre für die ich mich entscheiden würde, wenn ich aus meinem Fundus nur eine einzige auswählen dürfte😉 5 Sterne!