Vorweg: Ich bin Hobby-Pianist im kirchlichen Umfeld, spiele auf diversen Yamaha-Digital-Pianos, einem MODX M-8 und eine Nord Piano 5. Ein letztes Jahr gekauftes GO:KEYS 5 hat mich daran erinnert, dass Roland auch tolle Sounds hat. Eigentlich war ich bei Thomann, um mir den Juno D-8 anzusehen. Heimgefahren bin ich mit dem RD-88EX.
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Sound: Das Concert Grand hat mich sofort begeistert. Ich habe diesen Standard-Piano-Sound auch auf dem RD-08, RD-2000 EX, Fantom 08 und Juno-D8 probiert, die waren natürlich alle ähnlich, am besten gefallen hat mir der vom RD-88. Ferner gibt es eine Vielzahl von guten Piano- und E-Piano-Sounds, die anders als bei vielen Digitalpianos nicht nur eine Alibi-Funktion haben. Zudem steht auch die komplette ZEN-Palette der Naturinstrumente und Synth-Sounds steht zur Verfügung (Einschränkung s.u.). Meine Favoriten sind die Pianos, Rhodes und die Roland-Synth-Sounds. Für Streicher, Bläser, FM-Pianos bevorzuge ich den Yamaha-Sound. Obwohl Yamaha mit dem MODX-M inzwischen ja auch ein "Hamburg Grand" hat, klingt das deutlich schlechter als das Roland Concert Grand, welches übrigens sehr ähnlich klingt wie das White Grand des Nord Pianos. Kirchenorgel kann übrigens keiner der Hersteller.
Tastatur: Obwohl ich die komplette Bandbreite der Yamaha-Digitalpianos gewöhnt bin, gefällt mir die Roland PHA-4-Tastatur besser, v.a. die einfache Yamaha GHS-Tastatur des MODX oder DXG-670 fällt degegen deutlich ab.
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Sound-Speicherung: Die Prospektangaben trügen hier: Das RD-88 EX hat 400 Sounds (bei Roland "Scenes", Yamaha nennt das "Performance") mit bis zu 3 Layern, von denen 362 mit Werkssounds belegt sind. Für die Layer stehen 3000 Tones zur Verfügung, die aber de facto erst durch Editieren des Sounds erreichbar sind. Will man so einen Sound dauerhaft schnell verfügbar machen, muss man ihn als Scene speichern, dafür kann man die Werks-Scenes überschreiben oder eine der nur 38(!) freien Scenes verwenden.
Lautsprecher: Der Klang ist angenehmen neutral aber Bass fehlt völlig, mehr als moderate Zimmerlautstärke ist nicht zu erreichen. Da gegeben die Lautsprecher z.B. des Yamaha DXG-670 viel mehr her. Ich betreibe das RD-88 EX an 2 Yamaha HS-8. Damit kommt der Klang optimal zur Geltung.
Bedienung: Solange man dich darauf beschränkt, die 400 Scenes abzurufen, die man auch in Banks mit Favoriten zusammenstellen kann, ist alles ok. Mit Drehreglern kann die Lautstärke der 3 Layer (die man ggf. individuell mit Splitpunkten versehen kann) direkt verändern und auch Mikro, Hall, Chorus etc. haben einene eigenen Regler. Grenzwertig wird es, wenn man das winzige, grobpixelge extrem blickwinkelabhängige Display mit verwenden muss (s.u.).
Funktionalität: Hier fehlt einiges, was z.T. das viel billigere GO:KEYS kann. Ob man es braucht, muss man selbst entscheiden: DIN-MIDI-Eingang, Aufzeichnen als MIDI-Datei oder WAV, Bluetooth, Intro&Variationen bei den Rhythmen.
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Editierung: Eigentlich bin ich vom GO:KEYS schon abgehärtet, denn das hat dieselbe Bedienphilosophie. Aber es ist trotzdem furchtbar: Zum Einen stößt hier das Bedienkonzept an Grenzen: Es gibt nicht mal ein Drehrad für das schnelle Scrollen durch Listen oder Ändern von Werten; mit den Cursortasten und Inc/Dec zusammen mit dem winzigen Display mit kurzen Texten wird alles zum Ratespiel. Zum Anderen sind die Editiermöglichkeiten komplett beschnitten. Bis auf die Effektsektion gibt es am Sound kaum etwas einzustellen Sogar am GO:KEYS kann man die Filter rudimentär modifizieren, was ja für viele Zwecke schon ausreicht. Also kann man eigentlich nur durch die 3000 Tones durchsteppen - wirklich mühsamm! App-Steuerung oder PC-Editor gibt es nicht, nicht mal eine rudimentäre Soundverwaltung. Theoretisch kann man andere ZEN-Sounds importieren, aber woher sollen die kommen? Der Roland Sound-Manager bietet kostenpflichtige Sound-Pakete, aber eine kostenlose Nutzer-Soundbibliothek wie Soundmondo von Yamaha gibt es nicht.
Fazit: Top-Klaviersounds, viele gute weitere Sounds, gute Tastatur und soweit die Funktionen mit Tasten direkt erreichbar sind auch vernünftige Bedienung.