Ich habe bereits mehrere Neotone Mutant Modelle getestet und dabei unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
Pros:
• Aktuell ist die Neotone für mich die einzige digitale Handpan auf dem Markt, die klanglich und haptisch wirklich nah an eine akustische Pan herankommt – inklusive Dimple-Form und entsprechendem Spielgefühl.
• Im Vergleich zu anderen MIDI-Pads oder digitalen Alternativen überzeugt sie durch percussive Möglichkeiten auch auf der Shell sowie eine sehr differenzierte sensorische Abnahme der Spielweise inklusive Wiedergabe der Obertöne.
• Die Samples wurden von akustischen Handpans abgenommen, was für einen realistischen Klang sorgt.
• Skalen sind vielfältig und individuell erweiterbar.
• Das Interface bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Klanggestaltung.
• Theoretisch bietet sie als digitale Handpan für den Bühnenbetrieb klare Vorteile, da keine Mikrofonabnahme notwendig ist und somit Feedback oder andere Nebengeräusche vermieden werden können. Dies ist jedoch nur eingeschränkt möglich, siehe folgende negative Punkte.
Cons:
• Alle Neotone Modelle, Mutants wie ONEs, haben eine asymmetrische Sensorverteilung, die sich besonders im Ding (zwei Sensoren auf einer Seite, einer auf der anderen) als klanglich störend erweist. Durch das Ungleichgewicht ist es schwierig bis unmöglich, Slaps oder „Taks“ im Dome gleichmäßig mit beiden Händen tonal zu erzeugen. Man kann im Panel zwar durch den Parameter „Offset“ etwas verschieben, wie Neotone selbst mitteilte, wird dieses Problem jedoch nie vollständig umgehbar sein.
• Eines der Mutants, die ich getestet habe, wies bereits ab Lieferung einen Defekt auf: Es fiepte und das Display flackerte leicht beim Ein- und Ausschalten. Zusätzlich trat während des Ladevorgangs ein deutliches Surren auf, sobald man die Neotone, ganz gleich wo, berührte. Die Sensoren reagierten teilweise bereits beim Halten des Instruments, wodurch ein Spielen während des Ladens – obwohl laut Anleitung vorgesehen – faktisch nicht möglich war. Deshalb ging dieses Gerät zurück.
• Ein darauf bestelltes Modell zeigte denselben Fehler des Sensortriggerings beim Laden. Schon das bloße Rüberhalten der Hände leicht über die Spielfläche führte hier zum Surren und Aktivieren der Sensoren. Somit waren diese beiden Neotones nicht spielbar während des Ladens, was z. B. während einer Aufnahme oder eines Liveeinsatzes große Probleme bereiten kann, wenn die Zeit fehlt, den Akku für längere Zeit wieder aufzuladen. Möglicherweise handelt es sich um serielle Streuung und betrifft nicht alle Geräte, das kann ich nicht beurteilen. In einem Instrument dieser Preisklasse hätte ich mir jedoch eine entsprechend umfassende Qualitätskontrolle gewünscht.
• Der Support von Neotone war hinsichtlich der besagten Fehler nicht hilfreich. Zunächst wurde nur auf veränderbare Parameter verwiesen, ohne genaue Einstellungen zu spezifizieren. Die spätere öffentliche Darstellung, dass sich das Problem der Asymmetrie durch eine einfache Einstellung vollständig beheben lasse, steht dazu aus meiner Sicht im Widerspruch.
Auch bezüglich der Störgeräusche ergab sich ein ähnliches Bild: Zwar hilft ein Hochregeln des Threshold, jedoch geht dies auf Kosten der Dynamik, wodurch Ghostnotes und feineres Spielen nicht mehr möglich sind und die Funktion der Neotone insgesamt eingeschränkt wird.
Darüber hinaus wurde ein genereller Defekt von Neotone zurückgewiesen, weshalb auch eine Reparatur oder ein Austausch des Geräts leider ausgeschlossen ist.
Laut Neotone wurde das zuerst zurückgeschickte Modell auf Fehler überprüft und sei vollständig in Ordnung. Im zugehörigen Panel konnte ich jedoch keine Hinweise darauf erkennen, dass das Gerät überhaupt während des Ladevorgangs getestet wurde, sodass der von mir beschriebene Fehler unter diesen Umständen möglicherweise gar nicht überprüft wurde und entdeckt werden konnte. Dadurch entsteht bei mir der Eindruck, dass Probleme eher relativiert und nicht als Mangel anerkannt werden, was den Support in diesem Punkt aus meiner Sicht als unzureichend erscheinen lässt.
• Relativ lange Ladezeiten der Skalen und beim Systemstart.
• Percussive Sounds haben ebenfalls ihre Grenzen. So kann die Neotone z. B. nicht zwischen Slaps, Knocks und Ähnlichem unterscheiden.
Weitere Punkte:
• Das Interface ist webbasiert und liegt auf den Neotone-Servern. Das funktioniert mit stabilem Internet zwar gut und erlaubt Zugriff auf neue Skalen, dennoch wäre eine Offline-Lösung (z. B. als App) wünschenswert. Sollten die Neotone-Server einmal offline gehen oder schlicht kein Internet zur Verfügung stehen, kann man sonst nicht mehr auf die Einstellungen zugreifen.
• Kein Bluetooth für Kopfhörer oder Smartphone-Verbindung.
• Kein interner Lautsprecher.
Fazit:
Klanglich und konzeptionell empfinde ich die Neotone zwar als einzigartig und innovativ, jedoch technisch leider als unausgereift. Insbesondere im Verhältnis zum hohen Preis sehe ich hier noch einiges an Optimierungsbedarf in der Umsetzung und serienmäßigen Qualitätssicherung.
Da größere Mängel, welche die angegebene Funktionalität des Gerätes einschränken, derzeit nicht als Defekt anerkannt werden, kann ich trotz der Innovation leider nicht mehr als 2 Sterne vergeben. Es bleibt jedoch die Hoffnung auf technische Weiterentwicklungen und Verbesserungen im Support.