UPDATE zum Firmwareupdate:
Der Marktstart war – vorsichtig formuliert – eine absolute Katastrophe. Insbesondere der Controller war bei seiner Veröffentlichung nur mit viel gutem Willen als solcher erkennbar und entsprechend eingeschränkt nutzbar. Sowohl die Firmware als auch die Programmier-App waren ein schlechter Witz. Der BCR32 wirkte weniger wie ein fertiges Werkzeug als vielmehr wie eine Machbarkeitsstudie, die versehentlich in den Verkauf geraten war.
Inzwischen hat Behringer sowohl eine neue Firmware als auch eine überarbeitete Programmier-App veröffentlicht. Und was soll ich sagen? Am Ende wird offenbar doch noch alles gut. Noch ist nicht alles perfekt, aber mittlerweile beginnt die Kiste richtig Spaß zu machen.
Verarbeitung und Bedienung
Die Verarbeitung macht insgesamt einen hochwertigen Eindruck. Das Gerät ist schwer, massiv und beansprucht ordentlich Platz auf dem Schreibtisch. Angesichts der 32 Encoder halte ich die Abmessungen allerdings für durchaus angemessen. Wäre das Gehäuse deutlich kompakter, würde die Bedienung vermutlich schnell zur Fummelei werden.
Eine besonders erfreuliche Weiterentwicklung gegenüber dem BCR2000: Endlich verfügen nicht mehr nur die acht Encoder der oberen Reihe über eine Push-Funktion. Beim BCR32 lassen sich sämtliche 32 Encoder zusätzlich per Druck bedienen und individuell konfigurieren. Das eröffnet deutlich mehr Möglichkeiten.
Das Display fällt zwar recht klein aus, schafft es aber erstaunlich gut, die wichtigsten Werte und Informationen übersichtlich darzustellen. Die Zeiten der alten 7-Segment-Anzeigen sind zum Glück vorbei.
Weniger begeistert bin ich von der Rasterung der Encoder. Hier hätte ich mir eine etwas andere Haptik gewünscht. Immerhin hat Behringer inzwischen eine Beschleunigungsfunktion integriert, sodass sich der gesamte Wertebereich mit einer einzigen Umdrehung durchfahren lässt. Das verbessert die Bedienbarkeit erheblich.
Programmierung
Die Programmierung ist erfreulich unkompliziert. Egal, ob direkt am Gerät oder über die App: Das Prinzip hat man schnell verstanden, und die gängigen Parameter stehen zur Verfügung.
Ganz fehlerfrei arbeitet die Software allerdings noch immer nicht. Beispielsweise werden bestimmte Werte nicht zuverlässig an den BCR32 übertragen, sodass man gelegentlich direkt am Gerät nacharbeiten muss. Verglichen mit dem Zustand bei der Markteinführung ist das allerdings ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Und machen wir uns nichts vor: 32 Encoder samt Push-Funktionen vollständig am Gerät zu konfigurieren, ist nun wirklich kein Vergnügen. Eine vernünftig funktionierende Programmier-App ist bei einem solchen Controller schlicht unverzichtbar.
Ein Wermutstropfen bleibt: SysEx steht weiterhin nicht als frei konfigurierbarer Steuerungsparameter zur Verfügung. Ich persönlich arbeite ausschließlich mit MIDI-CC-Befehlen, weshalb mich diese Einschränkung derzeit nicht sonderlich stört. Für andere Anwender dürfte das allerdings durchaus relevant sein.
Integration in die DAW
Hier zeigt der BCR32 inzwischen, was tatsächlich in ihm steckt.
Dank KI-Unterstützung ist es heute erstaunlich einfach, sich ein eigenes Controller-Skript für seine DAW zu erstellen. Ich nutze Bitwig und habe den BCR32 als Controller mit vier Reihen zu je acht Encodern eingebunden.
Die vier Reihen steuern automatisch die ersten vier Plug-ins der jeweils ausgewählten Spur. Wechsle ich auf Preset 2, habe ich unmittelbar Zugriff auf die Plug-ins 5 bis 8. Ein zusätzliches manuelles Mapping ist nicht erforderlich.
Das eigentliche Highlight ist für mich jedoch das inzwischen funktionierende LED-Feedback. Die LED-Ringe der Encoder zeigen zuverlässig die aktuellen Parameterwerte an – auch beim Wechsel zwischen Spuren oder Plug-ins. Genau so muss ein Controller dieser Art funktionieren.
Zusätzlich habe ich den jeweils ersten Encoder einer Reihe so konfiguriert, dass sich das zugehörige Plug-in durch Drücken direkt auf Bypass schalten lässt.
Die oberen Buttons habe ich mit verschiedenen Shortcuts belegt.
Das Ergebnis ist ein ausgesprochen intuitiver Workflow. Ich muss nicht mehr darüber nachdenken, welcher Regler gerade welche Funktion übernimmt. Ich wähle eine Spur aus, greife zum passenden Encoder und kann unmittelbar arbeiten. Genau das erwarte ich von einem Hardware-Controller.
Fazit
Der Marktstart war und bleibt für mich ein einziges Fiasko. Selten habe ich erlebt, dass ein Produkt in einem derart unfertigen Zustand veröffentlicht wurde. Umso erfreulicher ist es, dass Behringer inzwischen offenbar ernsthaft nachgebessert hat.
Gefühlt 95 % der ursprünglichen Probleme sind mittlerweile behoben. Und ich bin inzwischen tatsächlich so zufrieden mit dem BCR32, dass ich mir bereits ein zweites Exemplar vorbestellt habe. Wann das geliefert wird, steht allerdings noch in den Sternen.
Natürlich bleiben ein paar Fragezeichen. Insbesondere die Langzeitstabilität der Encoder wird sich erst noch zeigen müssen. Soweit ich das erkennen kann, scheinen diese lediglich auf der Platine befestigt zu sein. Ob das auf Dauer problemlos funktioniert, muss die Zeit zeigen.
Angesichts des geradezu lächerlich niedrigen Preises relativiert sich dieses Risiko für mich allerdings erheblich. Im Zweifel kann man sich fast schon ein Ersatzgerät ins Regal stellen.
Entscheidend ist für mich ohnehin etwas anderes: Der BCR32 fügt sich mittlerweile nahtlos in meinen Workflow ein. Ich kann ihn intuitiv bedienen, er nimmt mir Arbeit ab und ermöglicht mir, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: Musik zu machen, statt mit der Technik zu kämpfen.
Genau darum geht es mir bei einem solchen